God Bless America! 14 Tage Roadtrip durch Florida
Zwei Wochen mit dem Pickup durch Florida: vom Kennedy Space Center über Miami und die Keys bis in die Everglades, mit Line Dancing, Alligatoren, einem Attentatsversuch auf Trump und schließlich Hurrikan Helene, der unsere Route auf den Kopf stellt.

Unsere Route auf einen Blick
Im Uhrzeigersinn ab Orlando: die Ostküste hinab über Kennedy Space Center, Miami und die Keys bis Key West, dann die Golfküste hinauf und zurück nach Orlando · Zahl = Reihenfolge der Stationen · rund 1.900 km / 14 Tage
Inhalt+
- Ankunft in Orlando
- Kennedy Space Center
- Cocoa Beach und die Hurricane Greek Bar
- Shooting Range für die ganze Familie
- West Palm Beach und ein Attentatsversuch
- Cowboyhüte und Supermarkt-Sightseeing
- Miami
- Ankunft auf den Florida Keys
- Der Overseas Highway nach Key West
- Key West
- Schnorcheln auf Marathon Key
- Airboat-Tour durch die Everglades
- Weiter an die Westküste
- Auf der Suche nach Manatees
- Der Hurrikan zieht auf
- St. Petersburg im Ausnahmezustand
- Hurrikan Helene zwingt uns zur Planänderung
- Vor dem Hurrikan zurück nach Orlando
- Helene in Zahlen
- Ein verregneter Abschied: Universal Orlando
- Ein letzter Tag in Orlando
- Was der Roadtrip gekostet hat
- Galerie
- Q & A
Ankunft in Orlando
Zehn Stunden über dem Atlantik und ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Mein zweiter Langstreckenflug startet von Frankfurt, mit Discover Airlines geht es nach Orlando. Nach 2 Stunden Bahnfahrt sitzen wir gegen 14 Uhr im Flieger. Schlafen konnte ich nicht wirklich, aber dennoch vergingen die Stunden irgendwie ganz gut. Etwa 3 Uhr morgens deutscher Zeit und 21 Uhr in Orlando sitzen wir schließlich in unserem riesigen grauen Ford Pickup. Eher ein Bus als ein Auto, dachten wir zunächst, wir hätten es mit der Größe etwas übertrieben, bis wir das erste Mal auf der Straße waren und unser Auto neben den Trucks, die hier herumfuhren, regelrecht winzig wirkte. Bis zum ersten Hotel für die Nacht dauerte es nur ein paar Minuten.
Mit den amerikanischen Verkehrsregeln hatten wir uns schon vorab vertraut gemacht, Folgendes ist wichtig:
- Wer zuerst an einer Kreuzung mit Stoppschildern an allen Ecken hält, fährt auch als Erster weiter. Bei gleichzeitigem Ankommen gilt meist die Vorfahrt von rechts.
- Man darf an roten Ampeln nach einem vollständigen Stopp rechts abbiegen, sofern kein Schild ("No Turn on Red") es verbietet.
- Auf mehrspurigen Highways und Interstates ist das Überholen auf der rechten Spur erlaubt und üblich.
- Hält ein Schulbus mit blinkenden roten Lichtern, müssen Fahrzeuge aus beiden Richtungen sofort anhalten, das gilt oft selbst auf mehrspurigen Straßen.
Ein paar davon sind gewöhnungsbedürftig, aber am Ende der zwei Wochen fällt einem das Rechtsabbiegen bei Rot oder das Überholtwerden von rechts auch nicht mehr so schwer.
Todmüde fallen wir beide ins Bett und sind dank des Jetlags schon gegen 5 Uhr wieder wach. Noch vor dem Sonnenaufgang düsen wir, begleitet von weiteren Pickups links und rechts, Richtung Denny's, einem typischen amerikanischen Diner. Pancakes, Bagels und Kaffee, der unbegrenzt nachgefüllt wird, so habe ich mir den Start in den Tag vorgestellt.
Kennedy Space Center
Raketen waren für mich bisher immer etwas Fiktives, Science-Fiction, kein Ort, den man tatsächlich besuchen kann. Koffer in den Pickup und los geht's Richtung Kennedy Space Center, um genau das zu widerlegen. Hier befindet sich nicht nur das Vehicle Assembly Building, dessen Tore als die größten der Welt gelten (vier Tore mit 139 Metern Höhe, die insgesamt 45 Minuten zum Öffnen und Schließen brauchen), sondern auch das Space Shuttle und die Saturn V, die Mondrakete des Apollo-Programms. Die Apollo-Mondmissionen sowie die Space-Shuttle-Flüge starteten genau hier. Die Bustour über das wichtigste Raumfahrtgelände der NASA ist entsprechend spannend und wir haben sogar ein echtes Stück Mond berührt.
Auf dem Rückweg werden wir von einem dicken Regenschauer überrascht. Im September herrscht in Florida ein heißes, schwüles und tropisch-feuchtes Klima und wir befinden uns am Ende der aktiven Hurrikansaison. Aber statistisch gesehen treten starke Hurrikans nur alle 7 Jahre auf und der letzte, Hurrikan Ian, traf 2022 mit Kategorie 4 auf Land. Statistisch gesehen also kein Grund zur Sorge.
Cocoa Beach und die Hurricane Greek Bar
Ein festes Bett für die nächste Nacht? Fehlanzeige. Wir sind noch komplett spontan unterwegs und begeben uns erst mal auf die Recherche. Wir fahren weiter Richtung Westküste und buchen dort ein Motel für eine Nacht, etwa eine Stunde vom Kennedy Space Center entfernt, Richtung Palm Bay. Unser Highway verläuft an der Küste entlang und wir machen den ersten Stopp am Cocoa Beach und statten dem Ron Jon Surf Shop einen Besuch ab. Das Super 8 by Wyndham ist exakt so, wie man sich ein günstiges amerikanisches Hotel vorstellt, liegt aber immerhin nah am Wasser. Am Abend geht es noch in die Hurricane Greek Bar, für mich ein echtes Highlight des Urlaubs. Zuerst beobachten wir das Line Dancing nur von außen, bis ich mich schließlich entscheide, mitzutanzen. Zum Glück kennt mich hier ja ohnehin niemand. Keine Ahnung von der Choreografie und mit Birkenstocks statt Westernstiefeln, zum Glück wird mir dabei geholfen. Leider sind wir aufgrund des Jetlags immer noch super müde und nach ein paar Tänzen sehe auch ich ein, dass es Zeit fürs Bett ist. Schade, dass wir es den gesamten Urlaub nicht mehr in eine Line-Dance-Bar geschafft haben, das heißt wohl, wir müssen noch einmal nach Amerika.
Shooting Range für die ganze Familie
"Shooting Center" und "Family" in einem Namen, das klingt für mich schon paradox. Trotzdem lasse ich mich am nächsten Tag für das Frog Bones Family Shooting Center breitschlagen. Und tatsächlich stehen in der Schlange Großeltern mit ihren Enkeln, die für die nächste Stunde mit geladenen Waffen auf fiktive Ziele schießen werden. Hier darf man Waffen, die man rechtmäßig besitzt, sogar offen mit sich führen, ein spezielles Training oder eine Genehmigung ist dafür nicht notwendig. Beruhigend.
Nachdem wir ein Dokument unterschrieben hatten, das die Shooting Range im Falle unseres Todes absichert, ging es in eine Art Klassenzimmer, wo uns an einer Attrappe kurz erklärt wurde, wie man eine Waffe hält, lädt und entlädt. Immerhin sind mehrere Schutzmechanismen eingebaut. Wir mussten beide mehrmals vormachen, wie wir die Waffe laden, entladen und entsichern. Dann gab es noch geräuschdämpfende Kopfhörer und es ging in die Booth. Sieht aus wie bei uns im Schießverein, nur wird hier eben nicht mit Luftgewehren, sondern mit echter Munition geschossen. Frederick von Mach spielte mit uns verschiedene Szenarien durch, in denen wir bedroht wurden und auf eine aufgestellte Pappfigur an verschiedenen Stellen zielen mussten. Leider habe ich ziemlich schnell vergessen, dass das Ganze eigentlich relativ brutal ist, und hatte Spaß daran, auf die Pappe zu zielen. Meine Schießkünste waren gar nicht mal so schlecht und zumindest besser als die von Philipp, für die nächste Zombieapokalypse bin ich also jetzt vorbereitet.
Danach wurde sich mit einer riesigen Pizza gestärkt. Auf dem Weg zum nächsten Stopp halten wir beim nächstbesten Strand an und genießen zwei Stunden die Atlantikküste. Zum Glück ist es bewölkt, sonst wäre es am Strand kaum auszuhalten. Unterwegs machen wir noch Halt am Sebastian Inlet State Park. Für die Parks zahlt man hier Eintritt pro Fahrzeug und meistens befindet sich dort ein besonders schöner Strand. Wir machen einen kleinen Spaziergang und beobachten zahlreiche Angler und Reiher, hier scheint es besonders viele Fische zu geben.
West Palm Beach und ein Attentatsversuch
Von einer Villa-Besichtigung zur Schusswaffenwarnung in wenigen Stunden, so hatten wir uns diesen Tag nicht vorgestellt. Unser nächster Stopp: West Palm Beach, genauer gesagt Mar-a-Lago. Wir wollten uns die Chance nicht entgehen lassen, Trumps Villa einen Besuch abzustatten. Doch dazu kam es gar nicht, denn genau an diesem Tag gab es ein versuchtes Attentat auf Trump und in seinem Golfclub in West Palm Beach fielen Schüsse. Dieser Golfclub war nur etwa 15 Minuten von unserem Airbnb entfernt. Die Brücke nach Mar-a-Lago war komplett gesperrt und wir waren froh, überhaupt ohne weiteres Drama in unsere Straße zu kommen. Überall wimmelte es von Polizei und da es ohnehin schon spät war, beschlossen wir, das Airbnb an diesem Abend lieber nicht mehr zu verlassen. Am nächsten Tag verfolgten wir Fox News mit besonderer Spannung.
Cowboyhüte und Supermarkt-Sightseeing
Um uns komplett amerikanisch zu fühlen, wird am nächsten Morgen der nächste JC Western Store aufgesucht und nach guter Beratung von Sam sind wir 65 Dollar pro Kopf ärmer und einen sperrigen Cowboyhut reicher. Auch Sam war, wie die meisten hier, begeistert von deutschen Touristen, ließ aber auch das schlechte allgemeine bzw. geografische Wissen der Amerikaner durchblicken. Laut seiner Aussage gehört Amsterdam auch zu Deutschland, interessant.
Zudem wurde bei jeder großen Supermarktkette haltgemacht, denn das entspricht genau Philipps Vorstellung von Sightseeing: stundenlang durch einen Target schlendern und schauen, was die Amerikaner so in gigantischen Größen verkaufen. Zum Supermarkt kommt man hier nur mit dem Auto und dieser gleicht eher einem Real. Man kann eine 30er-Packung Eier kaufen und sich direkt dazu mit einem 3-Liter-Kanister Milch eindecken. Die motorbetriebenen Einkaufswagen sind allerdings offenbar nur dicken und kranken Personen vorbehalten und bei unserer Fahrt durch den Target werden uns einige Kommentare zugeworfen. Naja, abgehakt auf der Bucketlist wäre dieses Erlebnis trotzdem.
Miami
Die Bahamas hätte ich mir auch noch angeschaut, aber Philipp war nicht zu überzeugen, also wurde stattdessen Miami unser nächstes Ziel. Hier hatten wir zur Abwechslung mal 2 Tage gebucht. Da wir uns erst am selben Tag entschieden hatten, war die preiswerte Auswahl an Hotels in Miami Beach sehr begrenzt. Auf dem fünf- oder mehrspurigen Highway ging es mit sehr viel Stau nach Miami. Auf den Landstraßen kommt man hier super voran, da alles riesig ausgebaut ist, in den Städten staut es sich jedoch massiv, ein vernünftiges ÖPNV-System gibt es hier nicht. Das James Hotel erwies sich als reinster Fiebertraum. Es lag im Art-Deco-District und der kubanische Einfluss zeigte sich nicht nur in den lebendigen, tropischen Farben, sondern auch in unzähligen kleinen Figuren, die arg in die Jahre gekommen waren, der Eingang ähnelte damit eher einem Horrorfilm. Wenn ich sage, dass jede Stufe eine eigene Figur hatte, dann meine ich wirklich jede. Gott sei Dank wurden wir im Zimmer von gruseligen Figuren verschont und mussten uns nur mit dem düsteren Ausblick auf ein anderes Gebäude zufriedengeben.
Aber die Lage war top, zum ersten Mal in Florida hatten wir die Chance, etwas zu Fuß zu unternehmen. In meiner Vorstellung dachte ich, Miami wäre eine Art kleineres New York, muss aber feststellen, dass Miami ganz anders ist, ein U-Bahn-System gibt es hier auch nicht. Wir finden eine Sportsbar, in der das Bier bezahlbar ist (sonst kann man hier locker 10 Dollar für ein kleines Heineken zahlen), und verbringen den Abend mit ein paar Runden Billard.
Am nächsten Tag geht es bei Tageslicht zum bekannten Ocean Drive und zum ersten Mal an den Miami Beach selbst und ja, Baywatch hat nicht zu viel versprochen, die ikonischen Rettungsschwimmertürmchen stehen dort wirklich. Sie sind ein echtes Markenzeichen des Miami Beach Ocean Rescue. Spontan entschließen wir uns, ein City Bike zu mieten und fahren am bekannten Muscle Beach (wo natürlich auch kurz für ein Foto trainiert wird) vorbei Richtung South Pointe. Bei etwa 10 km Radtour und tropischen 35 Grad plus kommen wir gut ins Schwitzen, aber die Tour am Strand entlang hat sich gelohnt. Die Nebensaison merkt man hier allerdings deutlich, außer uns trainiert hier sonst kaum jemand. Schnell zurück zum Hotel und rein in die Badesachen, genießen wir den Rest des Tages am Strand und im herrlichen, 29 Grad warmen Wasser.
Zum Ausklang gibt es eine leckere Pizza und schließlich landen wir wieder in derselben Sportsbar, wo heute allerdings ein Billardturnier weit über unserer Liga stattfindet. Aber super spannend, den Profis zuzuschauen, am meisten beeindruckt hat uns ein älterer Mann, der jeden Mitspieler mit ernster Miene gnadenlos abgezogen hat, in den Pausen aber zu seinem Auto ging, um mit seinem Hund zu kuscheln, der im Kofferraum auf ihn wartete.
Auch hier war der Drogenkonsum und die Obdachlosigkeit ähnlich hoch wie in New York. Auf dem Weg zum Strand wurden wir angeschrien mit "They tanning there balls, they tanning there balls", ich glaube, das muss ich nicht übersetzen. Aber wir sind froh, dass wir uns endlich von unserem bunten Hotel verabschieden können und es auf die Keys geht.
Ankunft auf den Florida Keys
Endlich Zeit, es ruhiger angehen zu lassen: Diesmal haben wir mit etwas Vorlaufzeit gebucht und Wert auf Komfort und einen schönen Pool gelegt. Im kleinen Hotel mit nur etwa 10 Apartments waren wir fast komplett allein und hatten einen wunderschönen Blick auf das fast schon karibische Meer. Die Apartments grenzten direkt ans Wasser, wo man sich kleine Kajaks ausleihen konnte. Immerhin haben wir noch eine kleine Tour geschafft, bevor das nächste Gewitter hereinbrach.
So etwas wie ein vegetarisches Patty gibt es hier nicht, also muss ich meinen Burger kurzerhand ohne Bulette bestellen, weil es kein einziges vegetarisches Gericht auf der Karte gibt. Immerhin gibt es hier viel mexikanisches Essen, das mir deutlich besser schmeckt als das eher fettige amerikanische Essen und dort gibt es wenigstens vegetarische Alternativen.
Gestärkt durch einen Bagel geht es weiter Richtung Key Largo. Da wir aus unserer kurzfristigen Planung gelernt haben, dass es für manche Sachen spontan keine Plätze oder Tickets mehr gibt, buchen wir schon jetzt einen Schnorcheltrip für in zwei Tagen, hier soll man fabelhaft schnorcheln können.
Der Overseas Highway nach Key West
42 Brücken, 190 Kilometer, eine alte Eisenbahnstrecke, der Weg nach Key West ist selbst schon ein Erlebnis. Es geht den sogenannten Overseas Highway entlang: Auf der Fahrt von Key Largo bis nach Key West, der letzten der Keys, werden insgesamt 42 Brücken überquert. Die längste davon ist die berühmte Seven Mile Bridge mit fast 11 km. Da die gesamte Durchfahrt fast vier Stunden dauert, halten wir für einen Badestopp im Bahia Honda State Park, an einem der schönsten Strände, die ich je gesehen habe, fast menschenleer, mit weißem Sand und kristallklarem Wasser. Auch eine riesige alte Eisenbahnbrücke, die bei einem Hurrikan 1935 zerstört wurde, gab es hier zu bestaunen. Gerne wäre ich hier länger geblieben oder am nächsten Tag noch einmal hingefahren, aber wir bemerken, dass wir einfach zu wenig Zeit auf den Keys eingeplant haben.
Auf Big Pine Key steht noch ein ganz besonderer Pub auf meiner Liste: der No Name Pub. Die Wände dort sind mit unterschriebenen Ein-Dollar-Scheinen tapeziert, was in den frühen 1970er-Jahren als Tradition begann, wird heute auf einen Gesamtwert von etwa 800.000 US-Dollar geschätzt. Die kompletten Wände sind hier mit Geldscheinen bedeckt. Zu Coke Zero und ein paar Pommes bekommen wir Stifte und einen Tacker und so landen auch unsere Namen im Inneren des Pubs. Ein unbedingter Stopp wert.
Key West
Nur 90 Meilen bis Kuba, näher waren wir dem Sozialismus wohl noch nie. In Key West bleiben wir eine Nacht im Alexander Palms Court und schauen uns am Abend den Southernmost Point an, den südlichsten Punkt der kontinentalen USA. Zum Essen gibt es bei Subway einen Sub ausschließlich mit Salat und Spinat, da dies die einzigen vegetarischen Zutaten in diesem Laden waren, zunehmen tue ich hier jedenfalls nicht. Auch diese Unterkunft hat nur etwa 9 kleine Apartments und einen süßen kleinen Pool, an dem der Tag gestartet wird. Danach machen wir noch eine kleine Tour durch Key West, vorbei an Hemingways Home und dem Harry S. Truman Little White House. Hier beginnt auch die Route 1, mit dem berühmten US 1 Mile Marker 0.
Schnorcheln auf Marathon Key
Viel Zeit bleibt uns nicht, denn unser Schnorcheltrip startet auf Marathon Key, das seinen Namen daher hat, dass die Railroad Workers den Bau der Overseas Railway als einen Marathon beschrieben.
Gut eingespachtelt mit Sonnencreme geht es mit nur wenigen anderen Leuten auf ein Boot. Unser Kapitän hat einen guten Humor und die zwei Stunden Schnorcheln vergehen wie im Flug. Mein Highlight war ein kleiner Riffhai, vermutlich ein Schwarzspitzenhai, mein erster Hai im freien Meer. Er war bestimmt 2,5 Meter lang, verkroch sich aber in einer kleinen Höhle. Am Ende verfolgte ich noch eine Schildkröte beim Schwimmen und plötzlich kam der Hai aus seiner Höhle hervor, für einen kurzen Moment hatte ich dieses wunderbare Bild von Schildkröte und Hai zusammen.
Bisher habe ich noch nirgendwo Alligatoren gesehen, scheinbar ist diese Jahreszeit zu warm für sie. Aber in jedem Gewässer und an jedem Wegrand mit vielen Bäumen und Mangroven habe ich doch Angst, dass mir ein Alligator an den Füßen knabbert.
Im Kingsail Resort verbringen wir die letzte Nacht auf den Keys. Am Pool wird noch in der Sonne, die nach einem heftigen Regenschauer wieder auftaucht, entspannt und auch hier liegt der Pool direkt am Meer, umgeben von kleinen einstöckigen Apartments. Parken ist mal wieder gar kein Problem, ich weiß gar nicht, warum ich mir Gedanken gemacht habe, ob man mit unserem Pickup, den wir "Schrader" getauft haben, irgendwo parken kann. Hier ist alles gigantisch, auf den Parkplätzen könnte man locker einen Bus abstellen. Auch diesen Abend verbringen wir mit einem Bier am Wasser und zum Einschlafen gucken wir uns eine Dokumentation über die Eisenbahn und die Everglades an, denn dort haben wir für morgen eine Tour gebucht.
Airboat-Tour durch die Everglades
Propellerantrieb statt Motor, Sumpf statt Straße: Zurück auf dem Festland geht es mit dem Airboat durch die Everglades. Ein Airboat ist ein Boot mit flachem Boden, das propellerbetrieben ist, notwendig, um durch die flachen Sumpfgebiete zu kommen. Der riesige Propeller ist ziemlich laut und jetzt verstehe ich auch, warum wir schon wieder Gehörschutz bekommen haben. Die Fahrt ist rasant und wir driften regelrecht über das Wasser, ehrlicherweise wäre ich selbst gerne mal gefahren, das sah ziemlich spaßig aus. In den gesamten Everglades gibt es 200.000 Alligatoren und bis zu mehr als 30.000 Tigerpythons. Beruhigend, dass wir nur durch ein dünnes Plastikboot von diesen gefährlichen Tieren getrennt sind.
Bisher haben wir immer noch keinen Alligator gesehen. Schließlich lässt sich der erste blicken, nachdem er mit Cheetos gefüttert wird. Hier wundert mich wirklich nichts mehr. Unser Bootsfahrer erzählt uns ganz entspannt, dass er kleinere Pythons einfach mit der Hand fängt, nur bei den größeren würde er dann doch schießen. Jetzt fühlen wir uns sicher: Sollte sich eine 3 Meter große Würgeschlange auf unser Boot zubewegen, erwürgt der Typ sie also einfach mit seinen bloßen Händen.
Das Gelände ist riesig und ich hätte mich dort definitiv verirrt. Tatsächlich sind die Everglades ein riesiger Grasfluss und ich möchte mir gar nicht vorstellen, dass tatsächlich versucht wurde, durch dieses Schlammgebiet eine Eisenbahn zu bauen.
Weiter an die Westküste
Eine Hotelkette-Regel haben wir mittlerweile verinnerlicht: La Quinta hat schöne Zimmer und ein gutes Frühstück, bei dem man sich Waffeln selbst machen kann, nur sollte man darauf achten, dass das Hotel nicht direkt am Highway liegt. Beim nächsten Mal machen wir es besser. So schlafen wir eine Nacht an der Route 75 in Naples. Auf dem Weg gibt es einen Besuch an einem weiteren schönen weißen Sandstrand mit traumhaftem Meer, der Strand heißt sogar White Beach.
Die nächste Nacht verbringen wir ganz in der Nähe, in Fort Myers, wieder in einem La-Quinta-Hotel, diesmal nicht direkt an der Autobahn, mit schönem Zimmer und großem Pool. In diesem Hotel treffen wir im Pool sogar mal Deutsche, die regelmäßig auf die Keys fliegen, kann ich absolut verstehen.
Auf der Suche nach Manatees
Sie im Winter zu sehen wäre die sichere Bank gewesen, aber ich will es trotzdem versuchen: Ich möchte unbedingt Manatees sehen, weshalb wir etwas länger an der Westküste bleiben. Auch wenn die sanften Riesen eigentlich erst in den kälteren Monaten in die Springs kommen, hat man trotzdem eine Chance, sie zu erspähen. Der Siesta Beach überzeugt uns nicht ganz, nachdem man an den Keys gewesen ist, erscheint einem das Wasser hier ziemlich grün. Klar ist es jedenfalls nicht und der Strand gibt mir eher Nordseevibes. In Sarasota gibt es zur Abwechslung mal ein kleines Boutique-Hotel, das wirklich süß und definitiv das modernste von allen ist, das Kompose Hotel punktet zudem mit einem schönen Pool und gutem Frühstück. Allerdings habe ich in Sarasota das schlechteste Aglio e Olio gegessen, das jemals gekocht wurde.
Der Hurrikan zieht auf
Ein Wort in den Abendnachrichten lässt uns kurz aufhorchen, dann schieben wir es beiseite: Wir liegen im Bett, schauen ein paar Nachrichten und bemerken, dass von einem möglichen Hurrikan berichtet wird, der in Florida auf Land treffen könnte. Wir machen uns nicht weiter Gedanken, die Prognose betrifft das Ende der Woche und die Stärke kann bis dahin auch wieder abnehmen. Die nächste Nacht in St. Pete Beach ist bereits gebucht und wir machen uns keine weiteren Sorgen.
St. Petersburg im Ausnahmezustand
Bevor es Richtung Tampa geht, schauen wir uns den Manatee Village Historical Park an, ein Freilichtmuseum, das die Pionierzeit von Manatee County zwischen 1840 und 1918 zeigt. Beeindruckend, wie gut die Ausstellungsstücke noch erhalten sind, man fühlt sich wie auf einer Zeitreise, ganz ohne Elektrizität und Autos.
Wir müssen feststellen, dass vor den Fenstern hier schon zusätzliches Plastik angebracht wurde. Eine Mitarbeiterin erklärt, dass man sich hier schon auf den anstehenden Hurrikan vorbereitet. Ich bin schockiert und zugleich beeindruckt, wie schnell hier reagiert wird, das zeigt nicht nur, dass die Lage ernst ist, sondern auch, dass die Leute hier das nicht zum ersten Mal durchmachen.
In Downtown St. Petersburg besuchen wir einen Aussichtspunkt und immerhin gibt es dort einen Manatee-Sticker für mich. Überraschenderweise gibt es dort auch ein kleines biologisches Museum, in dem wir ein bisschen etwas über die Unterwasserwelt lernen.
Ein Hotel mit etwas fragwürdigem Design erwartet uns in St. Pete, aber wir werden mit einem Gratisbier begrüßt. Unser Zimmer liegt direkt an einem Bootssteg und es gibt sogar eine Beachbar direkt am Strand. Gut gefüllt ist diese zwar nicht, aber wir haben ja schon bemerkt, dass Nebensaison ist und unter der Woche auch nicht gerade viel los ist. Aber es gibt eine Tischtennisplatte und gute Drinks. Solange man trinkt, muss man seine Kreditkarte an der Theke "offen" lassen und Bescheid geben, wenn man sie "schließen" möchte. Wie man hier Trinkgeld gibt, haben wir übrigens immer noch nicht ganz durchblickt, meist wird die Kreditkarte in einem Umschlag eingesammelt und im besten Fall wieder zurückgebracht.
Hurrikan Helene zwingt uns zur Planänderung
Abends beobachten wir bei Fox Weather den gigantischen Hurrikan, der mittlerweile Helene getauft wurde und mit 70 mph schon vor Kuba steht. Für die Golfküste wird eine Warnung und ein Notstand ausgerufen. Der Hurrikan soll innerhalb weniger Tage auf Land treffen und zwar genau in Tampa, wo wir uns gerade befinden. Mittlerweile haben auch wir den Ernst der Lage verstanden und statt weiter Richtung Norden entlang der Küste zu reisen, buchen wir kurzerhand für die letzten zwei Nächte ein Hotel in Orlando, auch wenn das nicht der Plan war. Rückwirkend bin ich einfach froh, dass wir überhaupt noch ein Hotel bekommen haben, denn was für Auswirkungen ein Hurrikan der Kategorie 4 hat, war uns zwar bewusst, aber dass sämtliche Bewohner in den Risikogebieten aufgefordert wurden, ihre Häuser zu verlassen, da sonst eine reelle Gefahr bestünde, den Hurrikan nicht zu überleben, hatten wir nicht erwartet.
In der Nähe von Tampa liegen die Crystal Springs, ebenfalls ein State Park. Allerdings müssen wir am nächsten Morgen feststellen, dass alle State Parks vorerst geschlossen haben. Ich bin schon wieder schockiert und beeindruckt zugleich, wie schnell hier agiert wird, jeder staatliche Park hat dieselbe Meldung auf der Website. Die Tankstellen sind voll, die Supermärkte leer gekauft, jeder möchte entweder ins Landesinnere fliehen oder sich darauf vorbereiten, mehrere Tage keinen Strom zu haben.
Vor dem Hurrikan zurück nach Orlando
Da Helene schon in der kommenden Nacht auf Land treffen soll, begeben wir uns Richtung Orlando. Auf dem Weg legen wir noch einen Stopp im Circle B Bar Reserve ein, schließlich wollen wir trotzdem noch das Beste aus unseren verbleibenden drei Urlaubstagen machen. Auch hier müssen wir mit Blick auf das Regenradar erst eine trockene Phase abwarten.
Nach viel Stau kommen wir schließlich in Orlando an. Das Hotel zum Abschluss ist definitiv keines der schönsten, eher zweckmäßig gebaut, um von hier aus die Universal Orlando Resorts zu erreichen. Und ausgerechnet jetzt, wo ein gigantischer Hurrikan auf uns zurast und uns nichts anderes übrig bleibt, als die Zeit im Hotel zu verbringen, haben wir zum ersten Mal im gesamten Urlaub keinen Smart-TV. Die Nachrichten verfolgen wir diesmal live im Fernsehen. Ein paar Straßen weiter finden wir einen Irish Pub, in dem sich die Zeit immerhin mit Billard und Darts ganz gut vertreiben lässt. Die Straßen werden zusehends leerer und auch wir machen uns langsam auf den Weg Richtung Hotelzimmer.
In den Nachrichten sehen wir eine Moderatorin, die am Southernmost Point steht, der noch vor wenigen Tagen als Touristenattraktion diente, geht jetzt regelrecht unter. Die Moderatorin hat sichtlich Mühe, sich auf den Beinen zu halten, während im Hintergrund alle möglichen unbefestigten Dinge umherfliegen. Wir sind froh, dass unser Hotelzimmer zumindest so wirkt, als wäre es aus Beton gebaut und nicht wie eine Pappwand, die beim leichtesten Windstoß davonfliegt.
Helene in Zahlen
Um das Ganze kurz einzuordnen: Am 23. September wurden die ersten Warnungen vor einem tropischen Sturm ausgesprochen, der schließlich am 26. September mit Windgeschwindigkeiten von 220 km/h auf Florida traf. Insgesamt kamen rund 247 Menschen ums Leben, was Helene damit zum tödlichsten Hurrikan seit 2005 macht. Die Sachschäden werden auf 30 bis 50 Milliarden US-Dollar geschätzt, zusätzlich bildeten sich 21 Tornados. Die Sturmflut stieg in Florida auf bis zu 4,5 m Höhe an, ein Gedanke, den ich kaum ertrage, wenn ich daran denke, dass die Keys, auf denen wir noch vor ein paar Tagen waren, direkt am Wasser liegen. In Keaton Beach, an der Grenze zu Georgia, wurden 90 % der Gebäude zerstört. Wenn ich das höre, bekomme ich immer noch Gänsehaut und bei den Videos von Menschen, die ihren kompletten Besitz, Familienangehörige oder Haustiere verloren haben, während wir Urlaub machten, kommen mir noch heute die Tränen.
Wir können einfach nur froh sein, dass Orlando zu den am wenigsten betroffenen Orten gehört und der Hurrikan hier schon am nächsten Morgen nur noch Kategorie 2 bis 3 hat.
Die Zahl der Hurrikans nimmt durch den menschengemachten Klimawandel stetig zu. Trotzdem muss ich sagen: Was Nachhaltigkeit angeht, ist Deutschland den USA um Längen voraus.
Nur etwa zwei Wochen später trifft mit Hurrikan Milton der nächste Sturm auf Florida, mit der fünften und höchsten Kategorie und meteorologischen Rekordwerten. Diesen verfolge ich schon wieder in Deutschland und bin einfach nur froh, dass unser Flug nach Hause ging wie geplant. Reise- und Wetterwarnungen werde ich in Zukunft definitiv ernster nehmen, denn einem solchen Risiko möchte ich mich nicht freiwillig noch einmal aussetzen.
Ein verregneter Abschied: Universal Orlando
Genauso schnell wie der Sturm gekommen ist, verschwindet er auch wieder. Am nächsten Morgen ist zwar noch mit stärkeren tropischen Schauern zu rechnen, aber das hält uns nicht davon ab, dem Universal Orlando Resort einen Besuch abzustatten. Die Universal Studios sind heute die Einzigen, die schon wieder geöffnet haben, und mit schlappen 125 Euro pro Ticket bekommen wir nicht einmal die komplette Harry-Potter-Themenwelt zu sehen, für die ich eigentlich hergekommen war, dafür hätten wir noch einmal den vollen Ticketpreis pro Kopf zahlen müssen. Also gebe ich mich mit der Winkelgasse und der Gringotts-Achterbahn zufrieden und tröste mich damit, Hogwarts bereits in den Warner-Bros.-Studios gesehen zu haben. Ein riesiges Dankeschön geht hier an Philipp, der diesen unfassbar hohen Ticketpreis nur mir zuliebe für einen ziemlich veralteten Park gezahlt hat, der schon längst seinen Charme verloren hat. Immerhin lohnen sich jetzt endlich unsere zu Beginn der Reise gekauften Regenponchos. Ich gebe zu: Bis auf die Harry-Potter-Themenwelt war der Park ziemlich enttäuschend und mein Portemonnaie schmerzt noch heute, wenn ich an das Geld denke, das wir dafür ausgegeben haben. Selbst das Parken hat mit 35 Dollar geschlagen, so viel zahle ich mittlerweile in Düsseldorf für einen ganzen Monat Stellplatz.
Ein letzter Tag in Orlando
Leider hat Orlando außer Themenparks nicht sonderlich viel zu bieten und da immer noch kein National Park geöffnet hat, bleibt uns nichts anderes übrig, als in der betonierten Stadt zu bleiben. Bevor wir am Abend unseren geliebten Schrader wieder abgeben, steht noch ein Aquapark auf dem Plan, der deutlich mehr Spaß macht als der Ausflug am Vortag. Parken kostet hier zwar doppelt so viel, dafür ist der Eintritt nur halb so teuer. Zum Abschied lässt sich heute sogar wieder die Sonne blicken. Am Ende dürfen wir wenigstens frisch geduscht in den Flieger steigen. Nach 1.195 Meilen, umgerechnet 1.923,16 km, freuen wir uns auf deutschen Boden.
Was der Roadtrip gekostet hat
Über die zwei Wochen haben wir alle Ausgaben zu zweit mitgerechnet:
Kosten für 2 Personen
Gesamt 5.458 €⌀ pro Tag 278 € für 2 Personen (139 € p. P.) · ohne Flüge
- Flüge1.560 € · 29%
- Unterkünfte1.113 € · 20%
- TransportMietwagen, Sprit, Maut, Parken828 € · 15%
- Restaurants720 € · 13%
- Aktivitäten519 € · 10%
- Unterhaltung275 € · 5%
- AndereEinkäufe, Sehenswürdigkeiten, Shopping, Getränke, Gebühren443 € · 8%
Galerie
Q & A
Wie lange sollte man in Florida bleiben?+
Zwei Wochen sind schon das Minimum, um eine gute Rundreise durch den Staat machen zu können. Nehmt euch genug Zeit auf den Keys, die sind traumhaft schön – spart lieber woanders.
Wann sollte man Florida bereisen?+
Definitiv nicht zur Hurrikan-Season – achtet auf eure eigene Sicherheit!
Wie teuer sind die USA?+
Die USA sind schon nicht günstig und kein Vergleich mit Asien – egal wann und egal wo denkt man sich hier: Hilfe, wie teuer! Dennoch ein paar Spartipps von mir: Bereitet euch euer Frühstück selbst und ganz ehrlich, man kann sich die Portionen hier teilen, alles ist riesig und fettig. Meine Budget-Kalkulation findet ihr oben.
Was waren deine Highlights?+
Die Keys und die Strände dort, das Schnorcheln! Aber auch die Everglades oder die Fahrradtour in Miami.
Was würde ich besser machen?+
Bucht rechtzeitig, vor allem am Wochenende: Zwei Tage im Voraus gibt es meist bessere Preise als am Tag selbst und die Auswahl ist auch größer. Beim nächsten Mal würde ich mehr Zeit auf den Keys einplanen und zur Hauptreisezeit reisen.
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