Zwischen Highlands, Harry Potter und Whisky: acht Tage Schottland
Von Glasgow über die Highlands mit ihren Seen und Schlössern bis nach Edinburgh: mein Reisebericht über eine Woche Schottland im Linksverkehr, auf Harry-Potter-Pfaden und mit deutlich mehr Regenjacke als geplant.

Unsere Route auf einen Blick
Rundreise ab Flughafen Edinburgh nach Glasgow, weiter nach Fort William und zurück nach Edinburgh · Klammer = Nächte vor Ort · 7 Nächte / 8 Tage
Inhalt+
Der einstündige Flug geht ab Amsterdam – man spart ja, wo man kann – mit Easyjet, der britischen Ryanair. Nach der Landung startet der Urlaub direkt mit einem Mietwagen-Upgrade. Zum Glück, denn der gebuchte Fiat 500 hätte die achttägige Tour auf den schmalen Straßen nicht unbeschadet überlebt. So startet der Urlaub gleich auf der falschen Seite. Für das erste Mal im Linksverkehr am Steuer schlagen wir uns aber ganz gut. Erste Startschwierigkeiten beim Tanken lassen sich mit einem Lachen des Tankwarts überwinden – wir haben wohl versucht, ein bereits volles Auto vollzutanken und uns gewundert, warum wir nur für wenige Cent tanken können. Dank des Upgrades gibt es nicht nur Sitzheizung, sondern auch einen Spurhalte- und einen Toter-Winkel-Assistenten – gar nicht mal so unsinnig bei diesen Straßen.
Ein wirklich Tiny House
Unser erstes Ziel ist ein Tiny House in Glasgow. Die Deckenhöhe beträgt schätzungsweise nur 1 Meter, in einem stilvoll eingerichteten Haus dürfen wir also in der Gartenhütte schlafen. Über eine Wendeltreppe geht's aufs Dach, wo eine angebaute Kuppel mit Matratze auf dem Boden wartet – man kann gerade mal in der Mitte des Raumes stehen. Die Stühle sind auch nur etwa 50 cm groß, uns hat die optische Täuschung der Bilder definitiv ausgetrickst. Die Tür ist nicht ganz dicht, die Fenster beschlagen bei nur etwa 1 Grad Außentemperatur, und mit der Matratze auf dem Boden fühlt sich das Ganze eher nach Campingtrip an. Kurz zuvor stellen wir aber fest, dass die Matratze eine beheizbare Decke hat – also korrigieren wir die Nacht kurzerhand zu Glamping und kuscheln uns ein.
Viel von Glasgow sehen wir nicht, da die Unterkunft ein gutes Stück außerhalb liegt, aber zuvor gibt's am Abend eine grandiose neapolitanische Pizza.
Panoramafahrt in die Highlands
Nach dem Frühstück steht eine Fahrt in die Highlands an. Der Weg dorthin ist die reinste Panoramafahrt, wir wechseln uns beim Fahren ab, damit abwechselnd einer die Landschaft genießen kann. Es gibt auch einen kleinen Wander-Zwischenstopp, bei dem ich feststelle: Wilden schottischen Kühen kommt man besser nicht zu nahe.
Unser Standquartier für die nächsten Tage: ein kleines Gartenhäuschen in Fort William, diesmal mit dem Upgrade einer normalen Deckenhöhe. Auch hier gibt's eine Heizdecke – die brauche ich zu Hause auch! Eine kleine Küche und zwei gemütliche Sessel laden zu einem entspannten Abend bei Wein und Film ein. Im schottischen Lidl statten wir uns mit ein paar Survival-Snacks aus. Fort William ist der perfekte Ausgangspunkt für unsere Trips, die natürlich vom ein oder anderen Harry-Potter-Drehort beeinflusst sind. Von hier aus ist alles etwa eine Stunde entfernt, meist führt nur eine einzige Straße durchs Tal an den langen Seen vorbei.
Der Hogwarts-Express
Die Silver Sands of Morar sind eine Reihe weißer, silbrig glänzender Sandstrände an der Westküste, rund um die Mündung des Flusses Morar. Beeindruckend, dieses Gefühl, gleichzeitig am Meer und in den Highlands zu sein. Kühl, aber mit strahlendem Sonnenschein – die weißen Sandstrände erfordern tatsächlich eine Sonnenbrille.
In der Nähe liegt Mallaig, wo die Fahrt des legendären Hogwarts-Express endet oder zumindest der Bahn, die für den Dreh benutzt wurde. Am bekanntesten ist aber das Glenfinnan-Viadukt, über das die rote Dampflok fährt. Beeindruckend wäre es auch so schon, aber ich schwebe natürlich direkt in Nostalgie der frühen Zweitausender. Wir checken den Fahrplan und beschließen, am nächsten Morgen wiederzukommen, um die Dampflok tatsächlich fahren zu sehen.
Zusammen mit einer riesigen Menschentraube – wohl alles Harry-Potter-Fans – erklimmen wir den kleinen Anstieg neben dem Viadukt für die beste Aussicht. Leichter Nieselregen setzt ein, aber wir sind schließlich mit Regenjacken bewaffnet. Um 10:50 Uhr schleicht die alte Dampflok vorbei. Ob sie wohl extra langsam fährt, damit alle Touristen ihre Fotos bekommen? Wir haben's jedenfalls geschafft, ein weiteres Häkchen auf der Bucketlist. Weiter oben soll man einen wunderbaren Blick auf Loch Shiel haben, hier sollen alle Luftaufnahmen von Hogwarts entstanden sein. Mit etwas Fantasie können wir uns das Schloss vorstellen, aber für Muggel ist es eben nicht sichtbar. Belohnt werden wir am Ende eines kleinen Wanderpfads mit einem winzigen Bahnhof mitten in den Highlands, an dem uns ein Schaffner das alte Weichensystem erklärt.
Genug ist das für uns aber noch nicht: Mit unserem Kombi, den wir Alfonso getauft haben, geht's die Road to the Isles entlang, Stopp an einer kleinen Insel im Loch Eilt. Kenner erkennen die Szenerie: Hier wurde Dumbledores Grab gedreht. Wir kämpfen uns durch den matschigen Untergrund für den, wenn auch etwas düsteren, Blick auf die Insel.
Wasserfälle, Nessie und ein steiler Abstieg
Da wir am Vorabend „Harry Potter und der Feuerkelch" geschaut haben, darf auch die Kulisse der ersten Aufgabe des Trimagischen Turniers nicht fehlen: Ben Nevis und die Steall Falls, einer der schönsten Wanderwege, die ich je gewandert bin. Von Weitem wirkt der Wasserfall klein, unten ergeben die Wassermassen aber fast einen reißenden Fluss. Angesichts der vielen Kilometer, die wir bereits gelaufen sind, treten wir schweren Herzens den Rückweg an, die vorgeschlagene Komoot-Route hätte sogar eine komplette Überquerung des höchsten Bergs Schottlands beinhaltet. Vielleicht keine gute Idee, um 17 Uhr und mit meinen New Balance zu starten.
Am nächsten Morgen, eisig kalt aber sonnig, geht's zum Ungeheuer von Loch Ness. Spoiler: Nessie bleibt unsichtbar, und der größte Süßwassersee im Great Glen überzeugt uns nicht wirklich. Bis auf überzogene Merch-Artikel und teure Schifffahrten gibt's hier nicht viel zu sehen. Für unsere 10.000 Schritte besichtigen wir stattdessen Urquhart Castle, eine alte Ruine, für die man erstaunlich viel Eintritt zahlt.
Zum Sonnenuntergang geht's noch auf den Cow Hill. Der Weg hoch ist ausgeschildert, der Weg runter eine Komoot-Abkürzung vom Feinsten: wir kraxeln praktisch senkrecht den Berg runter, aber der Ausblick auf das kleine Örtchen ist traumhaft. Ich lache noch immer darüber, dass die Route als „leichte Wanderung, für alle Fitnesslevel" gekennzeichnet war, man aber eigentlich ein Kletterseil hätte mitbringen sollen.
Ein letztes Schloss und Abschied von den Highlands
Bei einem Picknick mit Blick auf Castle Stalker, das auf einer kleinen Gezeiteninsel im Loch Laich steht und zu Fuß nur bei Ebbe erreichbar ist, verputzen wir die Reste des Nudelsalats. Da gerade Ebbe ist, laufen wir ein Stück am felsigen Strand entlang, für den letzten Rest bis ans Schloss hätte man aber gute Gummistiefel gebraucht. Mit Wein und Bruschetta auf unseren Fernsehsesseln heißt es: letzter Abend in den Highlands genießen.
Zaubertränke und Whisky in Edinburgh
Alfonso abgegeben, beziehen wir unser Airbnb, das wir uns wieder mit drei bis vier anderen teilen. Gemeinschaftsbad und -küche inklusive. Zimmer und Lage sind top, das Bad lässt an Sauberkeit zu wünschen übrig, aber wir sind Schlimmeres gewöhnt und denken schaudernd an das Hostel in New York zurück.
Und schon machen wir die Stadt unsicher: wunderschön, mystisch und absolut unterschätzt. Jede Gasse mit altem Kopfsteinpflaster sieht fantastisch aus, und vom Calton Hill hat man einen wunderschönen Blick über die hoch gelegene Altstadt. Wir stärken uns mit einem Streetfood-Burger, ziehen los in die erste Bar für die erste Pint Bier und genießen Live-Musik mit Gitarre und Akkordeon in fast jeder Kneipe. Der Abend endet perfekt in einer Potions-Bar, in der man seinen eigenen Zaubertrank mixt – fühlt sich eher an wie Chemieunterricht, aber wir schaffen es, Rauch zu erzeugen. Mein Schnaps schmeckt fürchterlich, keine Ahnung, was ich da zusammengebraut habe.
Am nächsten Morgen geht's am Water of Leith entlang und anschließend mit dem Bus in einer halben Stunde ans Meer nach Leith, dem perfekten Ausgangsort für einen Spaziergang. Dazwischen wird geshoppt, Pad Thai gegessen, und ich schichte bei der kühlen Brise zwei Pullis übereinander. Ein klassischer schottischer Whisky darf am Abend nicht fehlen, auch wenn es bei dem einen Test bleibt. Wer's noch nicht wusste: J.K. Rowling hat die Harry-Potter-Bücher in verschiedenen Cafés Edinburghs geschrieben, unter anderem im „The Elephant House". Der „Geburtsort" von Harry Potter hat allerdings geschlossen, dafür schlendern wir über die Victoria Street, die die Inspiration für die Winkelgasse geliefert haben soll. Wie am ersten Abend verabschieden wir Schottland mit einer Pizza.
Was die Reise gekostet hat
Über die acht Tage haben wir alle Ausgaben mitgerechnet – Flüge sind hier nicht enthalten:
Kosten für 2 Personen
Gesamt 2.553 €⌀ pro Tag 319 € für 2 Personen (160 € p. P.) · ohne Flüge
- Unterkünfte1.764 € · 69%
- Transport284 € · 11%
- AndereGetränke, Sehenswürdigkeiten, Gebühren, Unterhaltung211 € · 8%
- Einkäufe162 € · 6%
- Restaurants132 € · 5%
Mein Fazit
Die Zeit in Edinburgh war definitiv zu kurz, und von den Highlands haben wir sicher auch noch nicht alles gesehen – aber Schottland ist ja nur eine Flugstunde entfernt. Zwischen Dampfloks, Zaubertränken und wilden Kühen war diese Reise die perfekte Mischung aus Nostalgie, Natur und ein bisschen zu vielen Höhenmetern für meine New Balance.
Galerie
Q & A
Wie viele Tage braucht man für die Harry-Potter-Drehorte?+
Nehmt euch mindestens 3–4 Tage Zeit und fokussiert euch auf die Drehorte, die ihr unbedingt sehen wollt – die Drehorte liegen verstreut.
Lohnt sich Loch Ness wirklich, oder ist das nur Touristenrummel?+
Nur Touristenrummel. Meistens lernt man das ja erst, wenn man sich selbst überzeugt. Aber fahrt wirklich nur vorbei, wenn es auf dem Weg liegt – es gibt so viel schönere Ecken, für die man seine Zeit besser nutzen kann.
Was ist die beste Reisezeit für Schottland?+
Ich denke Mai bis September. Wir waren im April da und es war zwischendurch noch sehr kühl und regnerisch, aber dennoch hatten wir viel Glück und Sonne. Ich stelle mir die Highlands im Spätsommer oder Herbst aber auch besonders schön vor.
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