Zwischen Dünen und Gewürzmärkten: sechs Tage Marokko
Sechs Tage, fast zehn Stunden im Auto und einer der schönsten Sonnenuntergänge meines Lebens – von den Dünen der Merzouga-Wüste über die Souks von Marrakesch bis zum Atlantik in Agadir.

Unsere Route auf einen Blick
Ab Marrakesch über das Atlasgebirge und Aït-Ben-Haddou in die Merzouga-Wüste, zurück nach Marrakesch und weiter an den Atlantik nach Agadir · Klammer = Nächte vor Ort · 6 Nächte / 6 Tage
Inhalt+
Eisig kalt liege ich nur unter ein paar Wolldecken in der Wüste. Kurz zuvor durfte ich einen der schönsten Sonnenuntergänge meines Lebens erleben, in der Merzouga-Wüste, berühmt für das Erg Chebbi, ein bis zu 150 Meter hohes Dünengebiet der marokkanischen Sahara nahe der algerischen Grenze. Von diesem Anblick kann ich einfach nicht genug bekommen, wie eine Filmszene aus einem 1001-Nacht-Film. Dafür hat sich auch die fast zehnstündige Anreise mit dem Auto in nur einem Sechs-Tages-Trip gelohnt.
Ankunft in Marrakesch
Für einen super günstigen Preis geht es in den Flieger Richtung Marrakesch. Eine kurze Taxifahrt später kommen wir in einem der schönen Riads an, den traditionell marokkanischen Unterkünften. Meist ist der Innenhof mit Pool ein Highlight, manchmal auch die schöne Dachterrasse. Begrüßt werden wir mit einem Tschai, Minztee mit einer guten Ladung Zucker, man sagt, er sei der Whiskey Marokkos. Echter Alkohol wird hier in nicht allzu vielen Restaurants ausgeschenkt und ist wegen der Steuern auch nicht gerade günstig. Ich glaube, es ist der erste Urlaub, in dem ich mehr Tee als Bier getrunken habe.
Gleich am ersten Abend probieren wir die marokkanische Küche. Vegetarische Optionen gibt es auf jeden Fall, aber nach einer Woche wissen wir genau, warum die Marokkaner meist schlank sind. Die Tajine besteht meist nur aus gegartem Gemüse, im besten Fall mit etwas Couscous angereichert und nach etwa einer halben Stunde hat man schon wieder Hunger. In Philipps Fall hat man direkt nach dem Essen schon wieder Hunger.
Ein Guide durch das Labyrinth des Souks
Extra mit Guide haben wir am nächsten Tag eine Tour durch den Souk gebucht, denn die Gefahr, sich dort zu verlaufen, ist sehr hoch. Der labyrinthartige Markt in der historischen Medina hat neben Schlangenbeschwörern, an die ich mich nur schwer gewöhnen kann, auch eine faszinierende Seite: Uns wird gezeigt, wie das Handwerk hier funktioniert. Wie aus Leder Schuhe hergestellt werden, wie Wolle mit Safran eingefärbt wird und verschiedene Kräuter dürfen wir ebenfalls testen. In Erinnerung bleibt mir besonders ein Mann, der in einer Bäckerei arbeitet und einfach in einem dunklen Loch vor dem Feuer steht, seit über 50 Jahren schiebt er für ein paar Cent Brot in die Flammen. Da muss ich wirklich sagen: Über meinen Bürojob kann ich nicht klagen.
Aufbruch in die Wüste
Ausschlafen im Urlaub? Nicht bei uns. Am nächsten Morgen geht es wieder früh los. Mit insgesamt 17 Leuten starten wir in einen zweitägigen Trip in die Wüste: sechs Italiener, drei australische Backpacker, zwei Spanier, wir und ein ebenfalls deutschsprachiges Mutter-Tochter-Duo aus der Schweiz.
Erster Stopp des Tages: Aït-Ben-Haddou. Keine Sorge, bei mir hat da auch nichts geklingelt. Doch diese Stadt lebt vom Tourismus, nicht dem klassischen, sondern dem Filmtourismus. Etwa alle vier Jahre findet hier eine große Produktion statt und bei diesem Rhythmus kann man sich schon denken, um welche Blockbuster es sich handelt: Gladiator, Game of Thrones und zuletzt Odyssee. Das UNESCO-Weltkulturerbe lässt einen wirklich fühlen, als wäre man in einer anderen Zeit gelandet. Deutsche Ingenieurskunst wurde hier allerdings nicht angewendet, bei näherer Betrachtung frage ich mich schon, wie ein bisschen Stroh und Lehm über Jahrtausende hält.
Quer durch das Atlasgebirge ging es zuvor. Die leicht abenteuerliche Anreise lohnt sich für zahlreiche Ausblicke. Dass es in ein paar tausend Metern Höhe ebenfalls nur ein paar Grad hat, habe ich, wie so oft bei Handgepäck-Flügen, wohl auch diesmal nicht einkalkuliert. Zum Glück schämen wir Deutschen uns nicht für den allseits bekannten Zwiebellook und so schichte ich alles, was in meinen kleinen Rucksack passte, übereinander.
Am späten Abend bekommen wir schon einen Vorgeschmack auf die Wüste: weit und breit höchstens mal ein Kamel zu sehen und irgendwann, auf der einzigen Straße, ein Hotel für den Zwischenstopp. Dass die Übernachtung nur etwa 10 Euro kostet, merkt man deutlich, aber authentisch wollten wir es ja.
Auf dem Kamel Richtung Sonnenuntergang
Wanderschuhe passten leider auch nicht ins Handgepäck, doch zum Glück ist der Weg durch die Tiefen des Atlasgebirges befestigter als gedacht. Beeindruckend und eine willkommene Abwechslung zu den vielen Stunden im Auto. Nach einer weiteren vierstündigen Fahrt kann man sie endlich sehen: die ersten großen Sanddünen. Ich bin so beeindruckt von diesem Anblick und kann einfach nicht genug davon bekommen. Kaum andere Menschen, nur wir, auf Kamelen werden wir Richtung Wüstencamp geführt.
Darüber lässt sich sicher streiten und ich habe versucht, mein schlechtes Gewissen im Voraus mit positiven Kommentaren zu beschwichtigen. Zu meiner Erleichterung gingen die Mitarbeiter jederzeit rücksichtsvoll mit den Tieren um. Und so sitzen wir nach einem kurzen Ritt auf einer Sanddüne, die aussieht wie gemalt, unter sternenklarem Himmel, mit Blick auf die untergehende Sonne. Ein Bild, bei dem ich mich heute fast überzeugen müsste, dass es kein KI-generiertes ist.
Kalt, unbequem und leicht feucht ist die Nacht und ich merke, wie sich bei mir eine Erkältung anbahnt. Immerhin bringt mir Philipp noch zwei extra Wolldecken. Ob die wohl nicht erst gestern noch auf dem Rücken eines Kamels gelegen haben? Völlig erschöpft schlafe ich trotzdem schnell ein, denn ich weiß ja schon: Die Nacht wird kurz. Und was für eine Überraschung, der Sonnenaufgang ist nicht weniger spektakulär als der Untergang. Diesen Anblick möchte ich gegen keine zehn Stunden Autofahrt eintauschen. Zunächst nutze ich aber die Gelegenheit, dieses schöne Erlebnis einfach noch einmal wirken zu lassen. Immerhin habe ich genug Fotos gemacht, die ich mir später noch einmal ansehen kann, um die eine oder andere Fahrstunde zu überbrücken.
Hungrig kommen wir schließlich wieder in einem schönen Riad in Marrakesch an und bei der ersten Pizza wird Halt gemacht. Auch wenn dazu Senf und Tomatenketchup angeboten werden, überzeugt uns die Pizza sehr. Mein ehemaliger Arbeitskollege hat mit dieser Tourempfehlung jedenfalls nicht zu viel versprochen.
Ab ans Meer
„Agadir! Agadir! Agadir! Agadir! Agadir!", schreit jemand laut am Busterminal. Das scheint dann wohl unser Bus zu sein. Statt um 11 Uhr fährt er etwa eine Stunde später ab, die übrig gebliebenen Tickets werden an Nicht-Touristen zu günstigeren Preisen verkauft. Da die Fahrt für uns sowieso günstig ist, gönne ich den Marokkanern diesen kleinen Gewinn gerne.
Auf einen letzten Zwischenstopp am Meer freue ich mich riesig. Pünktlich zum Gebet hält der Bus am Seitenstreifen der Autobahn an, der Gebetsteppich wird ausgepackt und der ganze Bus wartet, bis der Busfahrer fertig ist.
In unserem kleinen Airbnb, bei dem die Steckdose übrigens direkt in der Dusche sitzt, packen wir schnell die Badesachen und machen uns auf zum Strand. Niemand ist im Wasser, aber das ist uns egal, da wird die Erkältung eben kurz ignoriert und rein geht es in den Atlantik. Kaum haben wir die Füße wieder vom Sand befreit, gibt es zum leckeren Essen ein frisch gezapftes Bier.
Als ich am Abend in Agadir die Augen schließe, reite ich immer noch auf meinem Kamel durch die Dünen und werde quasi in den Schlaf geschaukelt.
Was die Reise gekostet hat
Über die sechs Tage haben wir alle Ausgaben mitgerechnet:
Kosten für 2 Personen
Gesamt 1.055 €⌀ pro Tag 144 € für 2 Personen (72 € p. P.) · ohne Flüge
- Aktivitäten284 € · 27%
- Unterkünfte267 € · 25%
- Flüge192 € · 18%
- Restaurants132 € · 13%
- Transport91 € · 9%
- Wechselgebühren76 € · 7%
- Gebühren13 € · 1%
Häufige Fragen
Wie viel hat der Wüstentrip insgesamt gekostet und wie habt ihr gebucht?
Dieser hat einfach für 2 Personen inklusive 2 Nächte und Verpflegung nur 100 Euro gekostet. Ein unschlagbarer Preis, wir haben uns aber auch bewusst gegen die Luxusedition entschieden.
Wie kalt wird es nachts wirklich in der Wüste und was sollte man dafür einpacken?
Die App hat 4 Grad angezeigt, ich bin mir aber sicher, es war kälter. Packt euch Thermowäsche ein.
Reicht Handgepäck wirklich für sechs Tage inklusive Wüstentour?
Für Minimalisten machbar, aber packt im November etwas Warmes ein. Auch in Marrakesch kommt die Sonne nicht in die kleinen Gassen, es ist dort deutlich kälter als an der Küste.
Ist es sicher, sich in Marrakesch (z. B. im Souk) frei zu bewegen, oder braucht man unbedingt einen Guide?
Grundsätzlich habe ich Marokko als sehr sicher empfunden, auch vom Hotel haben wir die Info bekommen, dass man in der Medina jederzeit, auch abends, zum Hotel laufen kann. Da wir aber kein Arabisch können, ist eine Souk-Tour mit einem Lokalen sehr zu empfehlen. Passt trotzdem auf, dass ihr nicht abgezogen werdet, auch wenn die Marokkaner ein freundliches Volk sind. Touristenfallen gibt es immer.
Galerie
Weiterlesen

Sri Lanka Rundreise – zwei Wochen zwischen Dschungel, Teeplantagen und Traumstränden
Von der Dschungelnacht in Sigiriya über den Zahntempel in Kandy und die legendäre Zugfahrt nach Ella bis zum Surfen in Hiriketiya und den Babyschildkröten in Mirissa: unser Reisebericht aus zwei Wochen Sri Lanka – mit Wasserfällen, Kochkurs, einem Safari-Reinfall und viel zu lauten Städten.

God Bless America! 14 Tage Roadtrip durch Florida
Zwei Wochen mit dem Pickup durch Florida: vom Kennedy Space Center über Miami und die Keys bis in die Everglades, mit Line Dancing, Alligatoren, einem Attentatsversuch auf Trump und schließlich Hurrikan Helene, der unsere Route auf den Kopf stellt.

Zwischen Highlands, Harry Potter und Whisky: acht Tage Schottland
Von Glasgow über die Highlands mit ihren Seen und Schlössern bis nach Edinburgh: mein Reisebericht über eine Woche Schottland im Linksverkehr, auf Harry-Potter-Pfaden und mit deutlich mehr Regenjacke als geplant.