Advanced Open Water Diver auf Gili T: vom Fun Dive zum nächsten Tauchschein
Eigentlich wollten wir auf Gili Trawangan nur ein paar entspannte Fun Dives machen – am Ende stand mein Advanced Open Water Diver. Von Tieftauchgang und Navigation über schlafende Riffhaie bis zur Biolumineszenz beim Nachttauchgang.

Eigentlich wollten wir nach unseren Tauchgängen auf Nusa Penida nur noch ein paar entspannte Tage auf Gili Trawangan verbringen. Wir wollten ein paar entspannte Tauchgänge machen und zwischendurch einfach mal am Strand entspannen oder mit dem Fahrrad über die autofreie Insel fahren, in nur 40 Minuten lässt sich die etwa acht Kilometer große Insel umrunden, hier gibt es nämlich weder Autos noch Roller, nur Fahrräder und kleine Pferdekutschen. Perfekte Voraussetzungen also für ein paar Fun Dives.
Nach den beeindruckenden Mantas auf Nusa Penida hatte ich überhaupt nicht vor, schon den nächsten Tauchschein zu absolvieren. Doch manchmal kommt es eben anders.
Ehrlich gesagt holt mich der erste Tauchgang auf Gili noch gar nicht so richtig ab. Vielleicht waren meine Erwartungen nach den Mantas einfach etwas zu hoch. Doch beim zweiten Tauchgang ist jede Skepsis verschwunden: Unter einem Korallenriff schlafen mehrere Haie in ihren Höhlen und wenig später entdecken wir eine riesige Schildkröte, gemeinsam mit einem Hai in derselben Höhle. Spätestens da ist die Entscheidung gefallen: Wenn ich schon einmal hier bin, dann mache ich auch direkt den Advanced Open Water Diver. Ich entscheide mich dennoch für eine andere Tauchschule als beim ersten Tauchgang und habe mit Blue Marlin Dive die absolut richtige Entscheidung getroffen.
Anderthalb Tage Vollgas
Da eigentlich nur zwei Nächte gebucht sind, bleiben mir für den Kurs gerade einmal eineinhalb Tage. Theorie lernen und fünf Adventure Dives absolvieren. Sportlich. Aber gut, man gönnt sich ja sonst nichts.
William aus England begleitet mich zum Glück durch den gesamten Kurs mit der Gelassenheit, die man sich als Tauchschülerin wünscht. Mit meinem Dive Instructor hatte ich richtig Glück.
Auf dem Programm stehen ein Deep Dive und Navigation, diese sind Pflicht. Die drei weiteren Abenteuertauchgänge darf ich mir aussuchen: ein Wracktauchgang, Tarierung und ein Nachttauchgang.
Tiefer als bisher
Am meisten freue ich mich auf den Deep Dive. Zum ersten Mal geht es deutlich tiefer hinab als bei meinen bisherigen Tauchgängen und für mich auch das erste Mal zu einem Wrack. Faszinierend, wie sich die Unterwasserwelt mit jedem Meter verändert. Gleichzeitig merke ich aber auch, wie wichtig es ist, den eigenen Luftverbrauch im Blick zu behalten und ruhig zu bleiben. Genau dafür ist der Kurs schließlich da.
Auch der Navigations-Tauchgang zeigt mir schnell, dass ein Kompass unter Wasser deutlich sinnvoller ist, als ich nach meinem Open Water Diver noch dachte. Zugegeben: Die Grundlagen hatte ich bis dahin schon wieder ziemlich vergessen. Dennoch vergesse ich bei dieser abwechslungsreichen Kulisse, dass ich eigentlich gerade meinen Tauchschein mache.
Absolute Dunkelheit
Mein persönliches Highlight wird allerdings der Nachttauchgang.
Bei diesem darf mich Philipp begleiten und es geht nach Sonnenuntergang zum Bounty Wreck vor Gili Meno, den Überresten eines versunkenen Piers. Außer dem Licht unserer Taschenlampen gibt es nichts. Ringsherum nur Dunkelheit. Ehrlicherweise fühle ich mich dabei ein bisschen wie Tom Cruise oder James Bond auf geheimer Mission, zumal dieser Tauchgang auch die bisher stärkste Strömung hatte und gar nicht so einfach war.
Tagsüber vertraut man seinen Augen unter Wasser ganz selbstverständlich. Nachts sieht man dagegen immer nur den kleinen Bereich, den die Lampe gerade ausleuchtet. Genau das macht die Atmosphäre so besonders, aber ich gebe auch zu, im ersten Moment hat es mich ein wenig gegruselt, im Dunkeln abzutauchen.
Doch der beeindruckendste Moment kommt erst, als unser Instructor uns ein Zeichen gibt, die Lampen auszuschalten.
Von einer Sekunde auf die andere ist es stockdunkel. Absolute Stille. Nur das gleichmäßige Ein- und Ausatmen der Taucher ist zu hören. Ich bewege vorsichtig meine Hände durchs Wasser und plötzlich leuchtet es blau auf. Biolumineszenz.
Es fühlt sich an wie bei Avatar: Mit jeder Bewegung entsteht ein kleiner leuchtender Schwarm um meine Hände. Dass winzige Meeresorganismen durch eine chemische Reaktion selbst Licht erzeugen können, wusste ich zwar theoretisch. Es aber mitten in der Nacht unter Wasser selbst zu erleben, ist noch einmal etwas völlig anderes.
Allein für diesen Moment hätte sich der Nachttauchgang schon gelohnt.
Geschafft
Mit dem Glenn-Nusa-Wrack, das 2016 vor Gili T gesunken ist, wartet am nächsten Morgen bereits der letzte Adventure Dive. Als wir wieder auftauchen, ist es offiziell: Ich bin jetzt Advanced Open Water Diver.
Viel Zeit zum Feiern bleibt allerdings nicht. Schließlich wollen wir die neuen Möglichkeiten direkt nutzen. Da uns Gili Trawangan so gut gefällt, buchen wir kurzerhand die Fähre noch einen Tag später und verlängern unseren Aufenthalt noch etwas.
Mein Fazit
Die Unterwasserwelt in Indonesien ist nochmal viel beeindruckender als in Ägypten. Ich bin sehr froh, dort meinen AOWD gemacht zu haben, außerdem gibt es hier z. B. mit den Wracks und Strömungen die Möglichkeit, alle Adventure Dives selber auszusuchen, das ist nicht überall möglich. Außerdem fährt man zu allen Tauchspots nur etwa 15 Minuten und jeder Tauchgang fühlt sich eigentlich nach einem Fun Dive an, mir macht es riesigen Spaß, bei jedem Tauchgang etwas Neues über die Unterwasserwelt und die verschiedenen Tauchspots zu lernen. Auch die Theorie ist schneller erledigt als bei OWD und am Ende gibt es keine Abschlussprüfung.
Ich denke schon über die nächste Spezialisierung zum Wracktauchen nach und ergänze den Rescue Diver auf meiner Bucketlist.
Galerie
Q & A
Was unterscheidet den Advanced Open Water Diver vom Open Water Diver?+
Beim Advanced-Kurs geht es nicht mehr um die Grundlagen, sondern um fünf Adventure Dives mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Tieftauchen, Wracktauchen, Tarierung, Unterwassernavigation und ein Nachttauchgang. Man darf danach tiefer tauchen (30 m) und sammelt Erfahrung in Situationen, die man im Open Water Kurs noch nicht kennenlernt. Unterwassernavigation und das Tieftauchen sind Pflicht, die anderen darf man sich selber aussuchen, z. B. hätte man auch die Möglichkeit, sich auf Fischbestimmung oder Fotografie zu spezialisieren.
Wie lange dauert der Advanced Open Water Diver?+
Bei mir waren es anderthalb Tage: die Theorie und fünf Adventure Dives. Das ist sportlich, aber machbar, wenn man sich voll darauf einlässt. Empfehlen würde ich aber, die Tauchgänge auf 3 Tage aufzuteilen, um das Ganze mehr zu genießen. Mir persönlich reichen 2 Tauchgänge am Tag und der 3. Tauchgang an dem einen Tag war auch für den Körper ziemlich anstrengend. Ich empfehle auch hier, wenn man die Möglichkeit hat, die Theorie entspannt vorher zu machen und nicht am Strand.
Sieht man auf Gili Trawangan Schildkröten und Riffhaie?+
Ja. Unter den Korallenriffen schlafen tagsüber Riffhaie in ihren Höhlen und Schildkröten begegnet man beim Tauchen und Schnorcheln rund um die Gilis ziemlich zuverlässig. Leider gibt es auch viele Triggerfische, also passt auf euch auf.
Mit welcher Kamera fotografierst du unter Wasser?+
Ich nutze die DJI Osmo Action 4 und bin super zufrieden damit. Diese hat eine bessere Belichtung unter Wasser als manche andere Action Cams.
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